Übersetzungsateliers frankophoner und hispanophoner Gedichte

Fremdsprachige Gedichte übersetzen? Ist das nicht viel zu schwierig und lebensfern, und können das KI-Programme nicht viel besser? 

Ende Januar haben sich Schüler*innen der Jahrgangsstufe 10 und der Oberstufe auf dieses Wagnis eingelassen. Unter der umsichtigen Anleitung der traductora Laura Haber und des traducteur Andreas Jandl konnten sie sich drei Tage lang an besonderen Orten des Berliner Literaturlebens darin ausprobieren, ins Deutsche Gedichte von frankophonen und hispanophonen Lyriker*inne’n zu übertragen, die teilweise sogar persönlich an den Ateliers teilnahmen bzw. live zugeschaltet waren.

Die von Haber und Jandl ausgewählten Gedichte zeichnen sich durch ausgeprägte Melodie und Sprachbilder aus. Um diese im Deutschen zum Klingen zu bringen, schöpften die jungen Übersetzer*innen neue syntaktische Wendungen und Wörter (z.B. wurde „Les sapins blanchissent“ mit „Die verweisten Tannen“ oder „Die Tannen erweißen“ übersetzt): ausgehend von der fremden Sprache eigneten sie sich ihre eigene Sprache neu an.

Am letzten Ateliertag besuchten wir die Buchhandlung Der Zauberberg in Friedenau, die sich durch eine besonders große Auswahl internationaler Lyrik auszeichnet und 1933-1945 als Wolff’s Bücherei eine unter einer Falltür versteckte Bibliothek von den Nazis verbotener Bücher führte. Es war für die Schüler*innen ein bewegender Moment, diesen fast unverändert erhaltenen Ort besichtigen zu können und Bücher aus dieser Zeit in Händen zu halten.

Am Nachmittag fand die Präsentation der Übersetzungen in Literaturhaus Lettrétage statt, erneut in Anwesenheit einzelner Autor*innen sowie unserer beider 12er-Kunst-Leistungskurse, die zu ihnen in den kommenden Monaten Trickfilme und Illustrationen kreieren werden. Beeindruckend, mit welcher Leidenschaft, Kreativität und Konzentration unsere Schüler*innen ihre übertragenen Gedichte vorgestellt haben!

Wir danken Laura Haber und Andreas Jandl für die motivierende und inspirierende Begleitung auf dieser Reise durch die Sprachen, den präsenten Dichter*innen für ihr zugewandtes Interesse, dem Institut Français, dem Instituto Cervantes und der Lettrétage für die besonderen Arbeitsrahmen, dem Zauberberg für die Zeitreise und besonders dem Deutschen Übersetzerfonds und dem Literarischen Colloquium Berlin, die das Atelier im Rahmen ihres Programms Echt Absolut ermöglicht haben.

Maxime Stoecker, Fachleitung Französisch

www.institutfrancais.de/fr/berlin

berlin.cervantes.es/de/default.shtm

www.lettretage.de

www.der-zauberberg.eu

www.echtabsolut.de

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